Freitag, 24. November 2017

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Dienstag, den 15. Juli 2014 um 20:22 Uhr

Aus dem Schreiben eines Kollegen:

"Ihren Hinweis auf die Wahrheitsverpflichtung meiner Mandantin können Sie sich daher sparen."

Klingt nicht nur erbost, soll es wohl auch sein. Was war geschehen?

Mein Mandant hatte das Erbe seiner verstorbenen Mutter angetreten. Die hatte in ihren letzten Lebensjahren so manches großzügige Geschenk an Freunde und Bekannte gemacht. Dies wiederum, die meisten werden es wissen, löst unter Umständen Ergänzungsansprüche des Erben aus. Genau genommen kann es zu Zahlungsansprüchen des Erben gegen den oder die Beschenkte(-n) führen, weshalb wir an diese herangetreten sind und sie zur Auskunft aufgefordert hatten.

Alle hatten mehr oder weniger murrend und mehr oder weniger ausführlich eine Auskunft erteilt, auch die oben schon erwähnte Frau B. mit dem erbosten Anwaltskollegen, und mein Mandant war erst einmal zufrieden. Nur die Briefmarkensammlung seines Vaters vermisste er, die war ihm noch aus den Kindheitstagen in Erinnerung.

Einen Hinweis fand er Wochen später beim Lesen der Tagebuchaufzeichnungen seiner Mutter. Man/frau wird es erraten - sie war Frau B. geschenkt worden. Also wandten wir uns erneut an Frau B. und ihren Rechtsanwalt. Und ja, wir haben dabei auch das Wort Wahrheitspflicht in das Schreiben aufgenommen.

Einen Teil der Antwort habe ich oben bereits dargestellt. Der Rest des Schreibens besteht im Wesentlichen darin, dass Frau B. erhebliche Anstrengungen unternommen habe, die ihr zugewandten Schenkungen zu rekonstruieren, da sei ihr die Briefmarkensammlung irgendwie entfallen. Jetzt erinnere sie sich wieder. Daran, dass sie die Sammlung geschenkt bekommen hatte. Und an den Erlös, den die Versteigerung der Sammlung erbracht hatte: sage und schreibe 130.000,00 EUR. Das sei ihr entfallen gewesen.

Mein Mandant und ich sind jedenfalls froh, nicht am falschen Ende gespart zu haben.