Donnerstag, 21. September 2017

Fachanwaltskanzlei am Adenauerplatz

Wilmersdorferstr. 94
10629 Berlin

Telefon: 030 88627500
Telefax: 030 88624497
ra.grigutsch[ad]email.de

 

Was wäre wenn? PDF Drucken E-Mail
Montag, den 24. Februar 2014 um 17:14 Uhr

Viel wurde und wird geschrieben zum "Fall Edathy". Die Bandbreite reicht von absolut unappetitlich über Gewaltaufrufe bis hin zu Mahnern, die immerhin an die Unschuldsvermutung erinnern. Ich will mich deshalb nicht als 3.687. in die Reihe stellen und ausführlich meinen Senf verstreichen. Nur eine kleine, klitzekleine Anmerkung vielleicht. Oder eine Frage:

Was wäre, wenn Herr Edathy Kinder durchaus mehr liebt, als ihm lieb ist? Was wäre, wenn er sich aber bewusst gegen den Bezug von Kinderpornografie entschieden hat, weil er gerade kein Leid verursachen oder auch nur in Kauf nehmen wollte, um seiner Neigung rein visuell nachzugehen? Was wäre, wenn er bewusst auf dem Boden der Legalität geblieben sein sollte? Was wäre, wenn er niemandem schaden wollte und sich auch tatsächlich nicht strafbar gemacht?

Für unsere Neigungen können wir nichts, so viel Unverständnis sie im Einzelfall auch heraufbeschwören mögen. Das gilt für alle Vorlieben (Ich erinnere mich u.a. - gern - an den Aufschrei und das Gelächter über den Pastor, der Homosexualität heilen will.). Und es gilt auch für Pädophilie.

Strafrechtlich entscheidend ist aber nicht, was uns kurzzeitig oder über einen längeren Zeitraum im Kopf herumspringt, sondern wie wir mit diesen Gedanken umgehen und was wir tun. Nicht jeder Pädophile begeht sexuellen Kindesmissbrauch und nicht jeder Sexualstraftäter ist pädophil.

Ein interessantes und wichtiges Projekt, auf das ich unbedingt hinweisen will, trägt den Titel "Kein Täter werden" (www.kein-taeter-werden.de), maßgeblich mitgestaltet an und von der Berliner Charité. Das Netzwerk bietet ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung, um sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.

Und damit bin auch ich schon wieder, obwohl ich nicht einen Miniteil der Akten kenne oder sonst zuverlässige Informationen habe, von pädophilen Neigungen bei Herrn Edathy ausgegangen.

Was wäre aber, wenn es nicht einmal diese Neigung gäbe?